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Innoloft & Euroforum Startup des Monats Mai: MotionMiners GmbH

28.04.2021EnergieMotion-MiningMotionMiners: Analyse & Optimierung von manuellen Prozessen

Menschliche Flexibilität und Anpassungsfähigkeit spielen auch im Zeitalter der Digitalisierung eine wichtige Rolle in der industriellen Wertschöpfung. Die Analyse und Optimierung von manuellen Arbeitsschritten erweist sich jedoch oft als aufwendig und kompliziert. Das Startup MotionMiners GmbH nutzt die Technologie des Motion-Mining® um manuelle Arbeitsschritte automatisch zu analysieren und optimieren. Wir haben mit CEO Sascha Feldhorst gesprochen, um mehr über diese Technologie und MotionMiners zu erfahren.

Hallo Sascha! Schön, dass du heute hier bist. Lass uns direkt loslegen: Was ist Motion-Mining?
Motion-Mining® ermöglicht, mithilfe von Sensorik und Machine Learning, eine automatische Analyse und Optimierung von manuellen Arbeitsprozessen hinsichtlich der Effizienz und Ergonomie (bspw. Ermittlung von Heatmaps, Weg-, Warte- und Prozesszeiten sowie ungesunden Bewegungsabläufen), wodurch ein Mehrwert sowohl auf Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite entsteht.

Wie funktioniert Motion-Mining?
Motion-Mining® unterstützt Unternehmen dabei, automatisch die Effizienz und Ergonomie der manuellen Arbeitsprozesse zu analysieren. Unter Einsatz von Wearables, Beacons (Kleinstfunksensoren) und maschinellem Lernen werden Prozessdaten anonymisiert und zur Aufdeckung von verborgenen Optimierungspotenzialen gesammelt. So können Prozessanalysen durchgeführt werden, ohne dass ein Prozessingenieur mit Stoppuhr und Klemmbrett den gesamten Prozess dokumentieren muss. Dies führt im Vergleich zu heutigen manuellen Analysen (z. B. mittels REFA) zu einer Aufwandsreduzierung und sorgt für einen 40- bis 80-fach größeren Datenbestand.

Entschließt sich ein Kunde ein Motion-Mining®-Projekt durchzuführen wird die Arbeitsumgebung mit Beacons und die Mitarbeiter in den zu betrachtenden Prozessen mit Wearables ausgestattet. Im Anschluss an die Messung werden die gesammelten Daten mit Machine-Learning-Algorithmen ausgewertet. Auf Grundlage der Daten entwickeln unsere Mitarbeiter in enger Zusammenarbeit mit den Kunden individuelle Maßnahmenkataloge und Umsetzungsprioritäten. So werden nicht nur Wege hin zu effizienteren Logistikprozessen aufgezeigt, sondern auch Umsetzungspläne gefasst, welche die Kunden im Anschluss verfolgen können. Auf Wunsch kann die Umsetzung der Optimierungsmaßnahmen mit Erfolgsmessungen begleitet werden.

Motion-Mining® wird in Form verschiedener Produkte und Dienstleistungen vermarktet. In Beratungsprojekten werden Prozesse mithilfe der Technologie durch Mitarbeiter der MotionMiners analysiert und optimiert. Zudem wird seit 2019 auch eine Motion-Mining-Produktlösung angeboten, die Manual Process Intelligence. Die MPI ist eine Kombination aus einer Hardware und einer Softwarelizenz und ermöglicht Kunden, eigenständig Prozessanalysen durchzuführen. Das Angebot beinhaltet neben einer vollumfänglichen Messausrüstung auch den Zugang zum Analyse-Dashboard. Über dieses können Nutzer eigene Messszenarien erstellen und Daten entsprechend ausgewählter Kennzahlen auswerten. Die Ergebnisse können dann für eigene Optimierungsmaßnahmen verwendet werden. Im Juni 2020 wurde das Portfolio um die Motion-Mining® Tracing Solution (MMTS) erweitert. Bei der MMTS handelt es sich um eine Kombination aus App, Kleinstfunksendern und einem Analysedashboard. Die Lösung verfügt zwar über ein geringeres Datenschutzniveau als die Bundes-App kann dafür aber eine genauere Verortung und Einhaltung der Hygienemaßnahmen realisieren und richtet sich speziell an Geschäftskunden. Neben den Möglichkeiten der Kontaktverfolgung im Infektionsfall stellt unsere Lösung noch verschiedene Möglichkeiten zur Prävention bereit.

Was ist das Besondere an Motion-Mining?
Im Gegensatz zu manuellen Analysen durch menschliche Beobachtungen, bei denen ein Prozessingenieur die Arbeitsprozesse manuell dokumentiert, funktioniert die Prozessaufnahme mittels Motion-Mining automatisch. Die Technologie basiert auf Sensoren, Beacons und einem selbstentwickelten Deep-Learning-Algorithmus, der die Rohdaten in Prozesskennzahlen umwandelt. Derzeit können mehrere Aktivitäten erkannt und auch Hilfsmittel und Arbeitsbereiche ermittelt werden. Zu unseren USPs zählen, dass Messtechnik ohne IT-Integration eingesetzt werden kann und mit geringer Vorlaufzeit auf- und wieder abgebaut werden kann. Zudem können die KPIs für die Prozesseffizienz und -ergonomie aus dem gleichen Datenbestand gewonnen werden und die Anonymität (nach DSGVO) der Mitarbeiter bleibt jederzeit gewahrt.

Wie habt ihr diese Form von automatisierten Analysen in ein Geschäftsmodell integriert?
Unsere Hauptertragsquelle bildet derzeit noch das Dienstleistungs-/Beratungsgeschäft. Zudem bieten wir seit letztem Jahr unsere Motion-Mining®-Produktlösung, die Manual Process Intelligence (MPI), an.

Die Beratungsdienstleistung wird über ein Beratungshonorar mit den Kunden abgerechnet. Der Preis variiert abhängig von verschiedenen Faktoren wie der Anzahl der Prozesse, Mitarbeiter, Schichten sowie der Komplexität der Analysefragestellungen. Für das Produkt dagegen wird eine Grundgebühr für die Lizenz erhoben. Das Lizenzmodell umfasst allerdings auch eine nutzungsabhängige Preiskomponente. Vor dem Hintergrund der Corona-Situation haben wir außerdem eine Tracing Solution, ein Präventionstool, für den Einsatz in Unternehmen entwickelt. Mit Hilfe einer App und zusätzlichen Funksendern können Anwender der Motion-Mining® Tracing Solution u. a. Infektionsketten nachvollziehen, häufig frequentierte Bereiche identifizieren und Sicherheitsabstände sowie Hygienemaßnahmen einhalten. Zur Unterstützung stellt die App ein Echtzeitfeedback bereit.

Dieses informiert den Mitarbeiter:

  • Wenn die Kontaktzeit von 15 Minuten überschritten wird
  • Zur Erinnerung an regelmäßige Händehygiene und Belüftung von Räumen (durch Einsatz von Zusatzsensorik)
  • Zur Warnung vor kritischen und hochfrequentierten Bereichen zur Kontaktreduktion
  • Im Infektionsfall zur Information für weitere Maßnahmen

Die Motion-Mining® Tracing Solution entlastet die Mitarbeiter und unterstützt bei der Vermeidung eines unternehmensweiten Lockdowns.

Wer ist eure Zielgruppe?
Unser aktueller Zielmarkt setzt sich aus verschiedenen Industrieunternehmen zusammen. Dabei liegt der Fokus auf Unternehmen in den Branchen Produktion und Logistik. Hier finden beispielsweise viele Umpack-, Verpackungs-, Produktions- und Kommissioniertätigkeiten statt und eine Automatisierung lohnt sich häufig aufgrund kurzer Vertragslaufzeiten, einer hohen Geschäftsdynamik oder geringer Margen nicht. Zuletzt wurde ein erstes Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit einem Krankenhaus durchgeführt. Ziel ist es künftig verstärkt auch Kunden aus dem Healthcare-Bereich zu gewinnen.

Zu unserer Zielgruppe zählen die Branchen Logistikdienstleistung, E-Commerce, Groß- und Einzelhandel, Produktion, Luftfracht und HealthCare. Zudem gehören mittlerweile auch Beratungsunternehmen zum Kundenstamm, welche die Technologie lizenzieren und im Rahmen ihrer eigenen Kundenprojekte einsetzen.

Momentan arbeiten wir vornehmlich mit Unternehmen in Deutschland zusammen. Unser Ziel ist es in den nächsten Jahren vermehrt international zu agieren. Es wurden bislang Beratungsprojekte und Lizenzen, in die Schweiz, Niederlande und nach Malaysia verkauft.

Wo steht ihr gerade mit MotionMiners GmbH?
Wir befinden uns in der Wachstumsphase und bewegen uns auf die nächste Skalierungsstufe zu. Dabei geht es u. a. darum einen größeren Footprint bei den einzelnen Kunden zu erreichen und auch die Herstellung der Messtechnik weiter zu professionalisieren. Dabei können wir bereits jetzt über 20 Kundenreferenzen vorweisen, die wir in über 40 Beratungsprojekten und aus unserem Produktgeschäft gewonnen haben. Bisher konnten wir 15 Kunden davon überzeugen unsere Technologie zu lizenzieren und sind ohne Investor von 3 Gründern auf ein 30-köpfiges Team angewachsen. Wir sind aber einem weiteren Wachstum und auch der Zusammenarbeit mit Investoren gegenüber nicht abgeneigt ;-)

Sascha, vielen Dank für dieses spannende Interview. Wir wünschen MotionMiners weiterhin viel Erfolg.

Wer mehr über MotionMiners erfahren möchte, kann sich auf ihrem Innoloft Profil informieren:


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